Fermer
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Erdkröte

Bufo bufo (Linnaeus, 1758)

Die Erdkröte, Bufo bufo (Linnaeus 1758), hat eine gedrungene Gestalt mit kurzen Hinterbeinen und stumpfer Schnauze. Die Iris der stark hervortretenden Augen ist kupferrot, die Pupille waagrecht. Unter den vielen Haut­drüsen sind die "Ohrdrüsen" (Parotiden) hinter den Augen auffällig; aus ihnen scheidet die Kröte bei Misshandlung ein weissliches, giftiges Sekret aus, das die Schleimhäute eines Fein­des - auch des Menschen - stark reizen kann.
 
Warzen bekommt dagegen niemand vom Berühren der Kröten; die Haut fühlt sich trocken und besonders bei Jungen und Weib­chen etwas körnig an. Die Hautfarbe wech­selt beim gleichen Tier je nach Jahreszeit, Häu­tungszyklus, Wasseraufenthalt usw. von hellgelb bis gegen schwarz; manche Weib­chen sind an den Seiten deutlich gefleckt, Halbwüchsige oft rötlich.
 
Die Männchen tragen vom Herbst bis im Frühling dunkle "Schwielen" an den inneren 3 Fingern; ihre Stimme - die Weibchen sind stumm - ist mangels äusserer Schallblase leise. Die Weibchen sind mit z.B. 78 mm deutlich grös­ser als die Männchen der gleichen Population (65 mm), die Tiere im Tessin grösser als die der Alpennordseite, aber auch hier variiert die Grösse je nach Standort.

 

Die Erdkröten zeigen ein unterschiedliches Verhalten je nach der Art des Laichplatzes, den sie aufsuchen. Die meisten im Mittelland vorkommenden Erdkröten gehören zu einer Population, die sich im März oder April für 2–3 Wochen in der Uferzone eines dauer­haften Weihers oder in einem bestimmten Abschnitt eines Seeufers zur Fortpflanzung trifft. Überwintert haben die Tiere in der Regel in den umliegenden Wäldern.

Bei solchen oft grossen, mehrere tausend Indivi­duen zählen­den Populationen, ist die nächt­liche Wande­rung zum Laichplatz beeindruc­kend. Beson­ders augenfällig werden diese wenn dabei eine stark befahrene Strasse überquert wer­den muss und viele Kröten überfahren wer­den. In einem durch die aktuelle Witterung mitbestimmten popula­tionstypischen Zeit­abschnitt wandern die Kröten am zügigsten ab 5 °C nach Einbruch der Dunkelheit bei Regen. Die im Frühling zurückgelegte Wan­derdistanz variiert nach Population und Individuum; mehrere hundert Meter bis 1 km sind häufig.

Die Sommer­quartiere, besonders der Weibchen, sind zum Teil wesentlich weiter - bis gegen 3 km - vom Laichplatz entfernt; einen Teil der Laichwanderung legen die Kröten bereits im Herbst zurück. Auf der Wanderung springen die Männchen, die deutlich in der Überzahl sind, jedes sich bewegende Objekt von passender Grösse an, so dass die meisten Weibchen bereits mit einem Männchen auf dem Rücken am Laich­platz eintreffen. Nach etwa 5–14 Tagen Wasseraufenthalt lai­chen die meisten Paare innerhalb einer Woche in einem Bereich von wenigen Qua­dratmetern ab, häufig im Schilf­gürtel, wo das Wasser etwa 60 cm tief ist. Zwischen den rund 10 und mehr einzelnen Laichakten, bei denen das Männchen die jeweils austreten­den Abschnitte der beiden Laichschnüre besamt, bewegt sich das Paar soweit fort, bis die Schnüre straff in der Vegetation (oder als Ersatz zwischen Ästen und Steinen) aufge­hängt sind.

Nach dem Laichen wandern die Kröten in die Wälder zurück, wo sie ab Mai in Regen­nächten mit 12 °C und darüber vor allem Gliederfüsser und Regenwürmer jagen, wo­bei sie sich gute Beuteplätze, z.B. Ameisen­strassen merken. Das Sommerquartier einer Kröte, dem sie über Wochen und Monate, manchmal auch noch im Folgejahr, treu bleibt, hat häufig um 100 Meter Durchmesser und kann sich mit dem Jagdbereich vieler anderer Individuen überschneiden. Um den längsten Tag herum sind die Daumen­schwie­len der Männchen am stärksten zu­rückgebil­det, aber schon im August treten diese Ge­schlechtsmerkmale wieder deutlicher hervor. Bis im September nähern sich viele Kröten wieder dem Laichplatz, und vergraben sich in der ersten Oktoberhälfte zum Über­wintern im Waldboden.
 
Die Individuen dieses Verhaltenstyps zeigen eine starke Bindung an "ihren" Laichort, dem sie selbst dann treu bleiben, wenn er unge­eignet geworden ist. Umsiedlungs­versuche sind äusserst aufwendig; man muss die Paare am neuen Ort zum Laichen einsperren, und es sieht so aus, als ob erst ihre Nachkommen nach Jahren den neuen Ort annehmen wür­den.
 
An Laichplätzen mit zeitlich und lokal wech­selnden oder für den "Massenbetrieb" sonst­wie ungeeigneten Wasserstellen wie in Kies­gruben, Flussauen, Restpfützen zerstörter Weiher, auf der Alpen­südseite auch an Bächen, verhalten sich die Erdkröten ähnlich wie die Kreuzkröte: die Gesamtlaich­zeit dehnt sich aus, und die vergleichsweise wenigen gleichzeitig anwesenden Männchen äussern häufiger denn sonst sehr selten zu hörenden leisen Lockruf. Der übliche, metal­lische Laut der Männchen ist dagegen ein Abwehrsignal, das sie im Frühling bei jeder Berührung äussern.
 
In den stabilen Gewäs­sern, wo die Erdkröten innert weniger Tage "explosiv" ihren Laich ablegen, können die pechschwarzen Kaulquappen grosse Schwär­me bilden. Sie haben in der Haut einen Schreckstoff, der bei Verletzungen z.B. durch Fressfeinde frei wird und die anderen zum Fliehen veranlasst.
 
Ende Juni schwärmen die aus anfangs April gelegtem Laich stammen­den, bei der Metamorphose knapp 1 cm grossen Krötchen auch bei Tag und in "guten" Jahren in Massen vom Gewässer weg und nehmen nach wenigen Wochen die nächtliche Lebensweise der Alten im Wald an. Die Erdkröte wird erst mit 3–5 Jahren ge­schlechtsreif, und die meisten Weibchen, die dieses Alter erreichen, suchen den Laichplatz nur einmal in ihrem Leben auf, die Männchen häufiger.

 

Die Erdkröte kommt in ganz Europa mit Ausnahme von Nord­skandinavien und einigen Inseln vor, tritt in den Alpen bis über 1'500 m, sporadisch bis gegen 2'200 m auf und ist unterhalb 1'500 m in der Schweiz weit verbreitet und häufig. Ob­wohl hier die meisten Kröten ausserhalb der Laichzeit in den Wäldern leben, findet man immer auch Tiere in offenem Land, in Sied­lungen und Gärten.

Verbreitungskarten

 

Der Umstand, dass wohl die meisten grossen Krötengesellschaften des Mittellandes mit "sturer" Ortstreue an bestimmte Laichorte in dauerhaften Gewässer gebunden sind, bringt ihnen in der Zivilisa­tionslandschaft Vor- und Nachteile. Der Vorteil liegt darin, dass viele der von der Erdkröte benutzten Weiher und Seeuferabschnitte auch dem Menschen reizvoll erscheinen und deshalb geschützt sind.

Mit rund 2500 bekannten Standorten in der Schweiz ist die Art zur Zeit nicht stark gefährdet, gilt aber dennoch als rückläufig. Denn die Bindung an bestimmte Orte bringt auch Nachteile: Wird ein Laichplatz ohne in unmittelbarer Nähe gelegenen Ersatz zerstört, kann die ganze Population aussterben. Die Ortstreue macht die Erdkröte wenig flexibel - es gibt Ausnahmen - im Besiedeln neuer an sich geeigneter Wasserstellen; die Neube­siedlung erfolgt in der Regel zögernd, und es kann Jahrzehnte dauern, bis sich eine stabile Population gebildet hat.

Auch dort, wo Erd­kröten in scheinbar neuen Wasserstellen, etwa in Kiesgruben erscheinen, handelt es sich manchmal um Ersatz für einen wenige Jahre früher zerstörten dauerhaften Laich­platz. Der schnelle Landschaftswandel hat zur Folge, dass für die Erdkröte Laichplätze schneller verschwinden (be­sonders alte oder bereits als Ersatz dienende Teiche in Kies­gruben) als neue Angebote genutzt werden können.

Zweiter bekannter Faktor, der die Popula­tionen vor allem in ihrer Stärke treffen kann, ist der Strassentod. Er hängt mit der Orts­treue in Verbindung mit der grossen Distanz zwi­schen Laich- und Sommerplatz zusam­men und trifft erstmals die Jungtiere beim Aus­schwärmen, dann aber auch die Erwach­senen auf jeder Herbst- und Laichwanderung sowie bei der Rückkehr ins Sommerquartier. Die Verluste fallen besonders bei Popula­tionen ins Gewicht, denen eine stark befah­rene Strasse die Zugroute in der Nähe des Laich­platzes durchschneidet, wo sich die Kröten konzentrieren. An Seeufern und Laichstellen in Flussnähe, wo die Tiere den Laichplatz nur von einer Seite her erreichen können, werden nicht selten ganze Popula­tionen vernichtet.
 
Aufgrund ihrer Lebensweise muss der Arten­schutz der Erdkröte bei den Populationen ansetzen. Be­züglich der Laichplätze steht der konservierende Schutz ganz im Vordergrund, wobei speziell auf die Erhaltung von Plät­zen z.B. in Kiesgruben zu achten ist, die dem Menschen landschaftlich unbe­deutend er­scheinen.
Beim Stras­sentod dagegen steht der manipu­lierende Schutz der Wanderzüge im Vordergrund. Darüber und über die Kom­bination ver­schie­dener Massnahmen geben die Publikationen "Amphibien und Verkehr" I, II und III" der karch Aus­kunft. 

 

Die Erdkröte ist etwas anspruchsvoller und bevorzugt dauerhafte, grössere, über 50 cm tiefe und mehrheitlich sonnige Gewässer einschliesslich Seeufer. Sie zeigt eine hohe Laichplatztreue. Zur Befestigung der Laichschnüre benötigt sie Äste, Wasserpflanzen u.ä. Strukturen. Die Erdkröte ist dank der Ungeniessbarkeit ihres Laichs und ihrer Larven als einzige Art wenig empfindlich gegenüber Fischbeständen. 

amplexus crapaud commun

Ein Erdkrötenpaar im "Amplexus", d.h. das Männchen umklammert in der Paarungszeit das Weibchen (im Bild: oben Männchen, unten Weibchen)

crapaud commun

Portrait einer Erdkröte

crapaud commun juvénile

Erst kürzlich metamorphosierte Erdkröte 

tétards de crapaud commun

Die Larven (Kaulquappen) der Erdkröte sind - wie bei der Kreuzrköte - ganz schwarz. 

habitat type du crapaud commun

Die Erdkröte nutzt als Laichgewässer permanent wasserführende, grössere und über 50 cm tiefe Gewässer. Ausserhalb der Paarungszeit nutzen die Erdkröten Wälder als Landlebensraum.  

Steckbrief

  • Gestalt gedrungen
  • Haut warzig
  • Hinterbeine im Vergleich zu Fröschen kurz
  • Grundfarbe braun, teilweise rötlich oder gelblich
  • oft einfarbig, teilweise mit dunklem, diffusen Fleckenmuster
  • Bauchseite grau, hellbraun, weisslich
  • Kopf breit
  • Pupille waagrecht-elliptisch
  • Iris orangerot
  • Ohrdrüsen (Parotiden) gross
  • Trommelfell schlecht sichtbar

 

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