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Geburtshelferkröte

Alytes obstetricans obstetricans (Laurenti, 1768)

«Du bist ein Glögglifrösch!» Viele Leute, die jemanden so bezeichnen, wissen nicht, dass es ein Tier gibt, das aufgrund seines glockenhellen, flötenden Rufes Glögglifrosch genannt wird. Dabei handelt es sich um die Geburtshelferkröte, Alytes obstetricans, auch Steichröttli genannt.
 
Die 3.5 bis 5 cm kleine, bräunlich - graue Kröte hat einen weisslich gekörnten Bauch, unterseits rötliche, kurze Beine und eine spitze Schnauze. Die Körperoberseite ist mit rundlichen Wärzchen übersät, auf den Flanken befinden sich zwei zum Teil rötliche Warzenreihen. Die goldenen Augen haben eine senkrechte, spaltförmige Pupille. Die Geschlechter sind schwierig zu unterscheiden. Die Larven, die bis neun cm lang werden können, sind grau - braun, scheinen von einer eher transparenten Aussenhaut umgeben zu sein und haben einen balkenartigen, metallisch glänzenden Längsstreifen am Bauch.
 

 

Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist einzigartig unter den einheimischen Amphibien: Sie ist der einzige einheimische Froschlurch, der sich an Land paart, die Eier nicht ins Wasser ablegt, Brutpflege betreibt und dessen Larven häufig vor der Metamorphose einmal im Gewässer überwintern. Ihre Fortpflanzungssaison dauert von März bis August. In der Regel sind die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv. Die Männchen beginnen bevorzugt an feuchtwarmen Abenden aus ihren Verstecken an Land zu rufen.
 
Im Verlauf des Abends bewegen sie sich zu den Ausgängen ihrer zum Teil selbstgegrabenen Wohnhöhlen. Ihr Ruf ist ein flötendes üh üh üh, das in Abständen von 1 bis 8 Sekunden erzeugt wird, je nach Temperatur und Erregungszustand. Rufen mehrere Männchen gleichzeitig in jeweils leicht unterschiedlichen Tonhöhen, erinnert der Klang von fern an ein Glockenspiel oder an Kuhglocken.
 
Sobald sich ein Weibchen nähert, wird es vom Männchen in der Lendengegend umklammert. Nach einer längeren Stimulierphase, in der das Männchen mit wippenden Bewegungen die Kloake des Weibchens mit den Zehen wiederholt touchiert, bildet das Pärchen mit den Hinterbeinen ein Körbchen, in dem die innerhalb weniger Sekunden austretenden 20 bis 70 Eier aufgefangen und besamt werden. Das Männchen stützt sich nun mit seinen Vorderbeinen bei der Schulterregion des Weibchens ab.
 
Nach einer Ruhepause streckt es seine Hinterbeine mehrmals durch den Laich, so dass sich die Laichschüre um seine Fersengelenke wickeln. Darauf verlässt es das Weibchen und beginnt schon bald wieder zu rufen. In den folgenden Nächten kann dasselbe Männchen noch ein, selten zwei weitere Gelege übernehmen, danach begibt es sich in sein unterirdisches, feuchtwarmes Versteck und lebt die folgenden 20 bis 45 Tage sehr verborgen. Mit den reifen Eiern begibt es sich ans Fortpflanzungsgewässer.
 
Einige Minuten nach dem Wasserkontakt beginnen die 12 bis 20 mm langen Larven zu schlüpfen. Beim Schlüpfzeitpunkt sind sie schon recht weit entwickelt und weisen schon innere Kiemen auf. Nach dem Schlupf streift das Männchen das leere Eipaket im Wasser ab, geht an Land und beginnt wieder zu rufen. Geburtshelferkröten können sich bis drei (seltener bis vier) mal im Jahr fortpflanzen.
Je nach Schlüpfzeitpunkt, Nahrungsangebot und Temperatur verwandeln sich die Kaulquappen noch im gleichen Herbst zu landlebenden Tieren oder überwintern als Larven im Gewässer. Solche Larven können bis 9 cm lang werden und wandeln sich im Mai / Juni des folgenden Jahres um. Damit sind sie die grössten Kaulquappen der einheimischen Amphibienarten.
 
Mit zwei bis drei Jahren sind die Tiere geschlechtsreif. Sie können über 8 Jahre alt werden.
Die Geburtshelferkröte wandert nur über relativ kurze Distanzen, Neubesiedlungen von neu entstandenen Lebensräumen sind nur bis 1.5 km Distanz nachgewiesen und kommen selten vor.

 

 

Die Geburtshelferkröte ist in Südwesteuropa erbreitet und stösst in der Schweiz an ihre südöstliche Verbreitungsgrenze (sie fehlt südlich der Alpen). Die meisten Populationen liegen zwischen 200 und 700 (einzelne bis über 1'500) m ü. M. im Hügelland und in den Voralpen.
 
 
 
 
 
 
 

 

In den letzten Jahren hat die Geburtshelferkröte in der Schweiz einen bedenklichen Rückgang erlitten. Verantwortlich dafür sind vor allem der Verlust bzw. die Veränderung von Lebensräumen. Die Zerstörung von Gewässern, der Besatz mit Fischen oder Enten, aber auch die Versiegelung von Strukturen des Landlebensraumes (Mauern, Terrassen), die Beschattung und Verbuschung der Landlebensräume oder Bewirtschaftungs-änderungen (z. B. intensivere Beweidung) können das Aussterben von Populationen bewirken. Ein Teil der Rückgänge kann aber bei heutigem Wissensstand nicht erklärt werden; möglicherweise spielt die Pilzkrankheit Chytridiomykose eine Rolle.
 
In erster Priorität sollten alle bestehenden Populationen erhalten und gefördert werden.
 
Konkret sollten keine Gewässer, die aktuell oder potentiell durch die Geburtshelferkröte genutzt werden, zerstört oder zu Fisch- oder Ententeichen umgenutzt werden. Fischfreie, stehende Gewässer sollten in der Umgebung bestehender Populationen neu erstellt oder aufgewertet werden.
 
Besonnte, unverfugte Mauern, sowie weitere Stein-, Sand- und Holzstrukturen mit Hohlräumen sollen unversiegelt erhalten bzw. an geeigneten Standorten neu erstellt werden. Besonnte, lockererdige bzw. sandige Böschungen mit Verstecken sollen vor dem Verbuschen geschützt werden.
 
Um die Geburtshelferkröte längerfristig erhalten zu können, sind wir auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Gastgeber und Nachbarn der Geburtshelferkröten können sich von den Fachleuten der karch beraten lassen.
 

 

Die Geburtshelferkröte pflanzt sich in verschiedenen Gewässertypen fort. Die Wasserfläche kann von wenigen bis über 1'000 Quadratmetern betragen, die Gewässer können stark bewachsen oder auch kahl sein, sonnig oder schattig und kühl. Die Geburtshelferkrötenlarven haben mit 21.9–25.3 °C eine tiefere Vorzugstemperatur als andere Amphibienlarven.
 
Tümpel in Gruben und Steinbrüchen, verschiedene Nutzweiher (z. B. Feuerweiher), Rinnsale und andere Gewässer in Auengebieten, Flusskolke oder sogar nicht allzu stark fliessende Stellen in Bächen oder Flüssen werden als Fortpflanzungsgewässer genutzt. Die meisten besiedelten Gewässer führen ganzjährig Wasser, denn ein Teil der Larven überwintert im Gewässer. Kurzzeitiges Einfrieren können die Larven überleben. Grössere Fischdichten oder Fische in Gewässern mit wenig Unterschlupfmöglichkeiten verhindern eine Besiedlung durch Geburtshelferkröten.
 
Spezieller scheinen die Ansprüche der Art an ihren dem Gewässer möglichst nahe gelegenen Landlebensraum zu sein. Die Tiere halten sich bevorzugt an sonnen-exponierten, sandigen, lehmigen oder locker-humosen und leicht rutschenden Hängen oder Böschungen mit lockerem Boden und wenigstens stellenweise spärlicher Vegetation auf. Gut geeignet sind auch besonnte, fugenreiche Mauern, Terrassen, Treppen, Steinhaufen, Steinplatten oder Holzstapel.
 
Häufig werden neben Böschungen Gruben oder Gärten mit lockerem Erdreich, Hohlräumen und Steinplatten, besiedelt, aber auch besonnte Waldränder und extensive Weiden können als Sommerlebensraum genutzt werden. Die Geburtshelferkröte bevorzugt hohe Temperaturen (Vorzugstemperatur von über 30 °C) und mittlere Feuchtigkeit.
 
Ursprünglich wohl in Auengebieten, in Bachböschungen, in Geröllhalden sowie in Rutschgebieten im Hügelland verbreitet, lebt die Geburtshelferkröte heute vor allem in den bereits erwähnten, vom Menschen gestalteten Lebensräumen.

crapaud accoucheur

Portrait einer Geburtshelferkröte 

crapaud accoucheur et ponte

Ein Geburtshelferkröten-Männchen, welches eine frische Laichschnur um seine Fersengelenke gewickelt hat, auf dem Weg zu einem sicheren Versteck. 

tétard de crapaud accoucheur

Die Larven (Kaulquappen) der Geburtshelferkröte können überwintern und erreichen eine Länge bis 9 cm, womit sie die  grössten Larven unserer einheimischen Amphibienarten sind.

habitat type du crapaud accoucheur

Die Geburtshelferkröte pflanzt sich in vielen verschiedenen Gewässertypen fort. Spezifischere Ansprüche hat sie an den Landlebensraum: er sollte sonnenexponiert sein und genügend Verstecke aufweisen, wie z.B. grabbares Bodensubstrat, Steinhaufen oder wie im Bild Holzstapel.

étang à incendie

In einigen Regionen dienen der Geburtshelferkröte (ehemalige) Feuerlöschteiche als Laichgewässer.

Steckbrief

  • Gestalt zierlich, gedrungen
  • Oberseite mit zahlreichen kleinen Warzen
  • Flanken mit zwei Reihen vergrösserter Warzen, oft mit rötlicher Spitze
  • Grundfarbe grau bis lehmfarben
  • Bauch weisslich mit körniger Haut
  • Schnauze eher spitz
  • Pupille senkrecht spaltförmig
  • Iris goldfarben