Fermer
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Teichmolch

  Lissotriton vulgaris (Linnaeus, 1758)

Der Teichmolch trägt den wissenschaftlichen Namen Lissotriton vulgaris, der aber für ihn in unserem Land keineswegs zutrifft. Vulgaris bedeutet nämlich «gemein, gewöhnlich». In der Schweiz ist jedoch der Teichmolch nichts Gewöhnliches. Vielmehr haben wir es hier mit einer Rarität der heimischen Amphibienfauna zu tun.Das Männchen ist zur Zeit der Paarung unverwechselbar: Ein leicht gewellter Kamm zieht sich entlang des Rückens und über den Schwanz. Dieser läuft in einer Spitze aus. Auch die Unterseite des Schwanzes ziert ein Schwanzsaum mit einer orangen und perlmuttartig schimmernden bläulichen Färbung. Die Zehen weisen Schwimmsäume aus. Auf der Seite des Kopfs verläuft vom Nasenloch über das Auge bis zum Hals ein markanter dunkler Streifen. Die Körperseiten tragen grosse dunkle Punkte. Der Bauch ist in der Mitte leuchtend gelborange bis orangerot und meistens gefleckt, auch die Kehle trägt in der Regel einige Flecken. Das Männchen ist meist zwischen 7–9 cm gross.

Das Weibchen ist (als Ausnahme unter den Molchen) eher etwas kleiner, einheitlich braun gefärbt und ohne Flecken auf den Körperseiten. Der Bauch ist ebenfalls in der Mitte orange gefärbt und meist deutlich gepunktet. Fadenmolch- und Teichmolchweibchen sind sehr schwierig zu unterscheiden und wenn, dann nur mit einer Kombination von mehreren Merkmalen.
 
Typisch für das Teichmolchweibchen sind folgende Merkmale: Kehle hell gelborange, oft gefleckt (bei uns allerdings nicht selten nur sehr schwach), Bauchmitte häufig gefleckt und gelborange bis orange, Hinterbeinwurzel ohne hellen Fleck, Hinterfuss-Unterseite nur manchmal mit undeutlichen hellen Ballen, Kloake oft dunkel pigmentiert. Fadenmolch-Weibchen: Kehle milchig, rosa bis blassorange, ungefleckt, Bauchmitte gelblich bis blassorange und ebenfalls ungefleckt, oft heller Fleck an Hinterbeinwurzel, Hinterfuss-Unterseite häufig mit zwei hellen Ballenflecken, i.d.R. Kloake ungefärbt weisslich. Es sollten immer mehrere Merkmale geprüft werden.
 
Im Tessin kommt der Südliche Teichmolch (Lissotriton vulgaris meridionalis) vor, eine Unterart mit leicht anderem Aussehen: Der Kamm des Männchens ist schmaler und nicht gewellt, der Körper weniger gepunktet.
 

 

In der Schweiz gibt es starke regionale Unterschiede im Häufigkeitsverhältnis und der Vertikalverbreitung von Teichmolch zu Fadenmolch: Im Osten des Landes (z. B. Zürich, Toggenburg, Appenzell) kommen die Arten fast nie gemeinsam vor und der Fadenmolch ist hier im wesentlichen auf hügelige Gegenden beschränkt, der Teichmolch auf tiefere Lagen. Dagegen ist in den tieferen Lagen der West- und Zentralschweiz der Teichmolch seltener ohne Fadenmolch zu finden, wobei der Fadenmolch generell deutlich häufiger als der Teichmolch vorkommt. Die ökologischen Unterschiede zwischen den Arten und die Gründe für diese unterschiedlichen Verbreitungsmuster sind nicht gut erforscht.

Im Verlauf des Märzes wandern die Teichmolche von den Winterquartieren her an. Dies können frostfreie Nischen unter Stein- oder Asthaufen sein, Mausgänge, unterhöhlte Wurzelstrünke und ähnliches. Die Winterquartiere liegen in der Regel nicht weit vom Laichplatz entfernt.
 
Mitte April dürften bei uns die meisten Teichmolche ihr Laichgewässer erreicht haben. Teichmolch-Männchen suchen das Gewässer deutlich vor den Weibchen auf und verlassen es auch wieder früher. Erst Mitte Mai ist der Höhepunkt des Paarungsgeschehens. Der Ablauf der Paarung ist ähnlich wie bei den anderen heimischen Molcharten, im einzelnen zeigen sich aber deutliche Unterschiede: Das Männchen balzt mit auffälligem Verhalten (z. B. Schwanzpeitschen, Schwanzfächeln, Katzenbuckel) um das Weibchen, wobei vor allem mit dem Schwanz verschiedene genau festgelegte Bewegungen ausgeführt werden. Dabei treibt es mit einem Wasserstrom auch Duftstoffe aus seiner Kloake zum Weibchen.
Anschliessend setzt es ein Spermienpaket auf dem Gewässerboden ab, das vom Weibchen aufgenommen wird. Das Weibchen kann sich im Verlauf der Fortpflanzungssaison mit mehreren Männchen paaren. Nach der Paarung setzt es über mehrere Tage oder Wochen rund 100 bis 300 Eier einzeln an Wasserpflanzen ab.
 
Nach dem Schlüpfen zehren die Larven zuerst noch vom Dottervorrat. In dieser Phase sind sie leichte Beute vieler Fressfeinde. Beobachtungen zeigten, dass kaum 5 % der Eier auch einen Jungmolch ergeben. Die Larven des Teichmolchs sind von denen des Fadenmolchs nicht unterscheidbar. Im Verlauf des Sommers metamorphosieren sie und gehen an Land. Da die Larven entsprechend der Eiablage verschieden alt sind, findet man frisch umgewandelte Jungmolche bis in den Herbst.
 
Ab Mitte Juni verlassen die erwachsenen Molche zunehmend das Laichgewässer. Ihre Landlebensräume sind nicht weit vom Laichgewässer entfernt, oft weniger als 100 m. Doch können sich Teichmolche auch einige hundert Meter vom Gewässer aufhalten: Bei einer Untersuchung wurden Teichmolche in einer Distanz vom 200 m bis 1 km von den mutmaßlichen Ausgangspopulationen entfernt festgestellt. Während des Landlebens finden größere Ortswechsel bei adulten Tieren aber offenbar nur sehr begrenzt statt. Die Tagesverstecke werden anscheinend zuweilen über längere Zeiträume genutzt und häufig werden einzelne Exemplare bis zu mehrere Wochen lang in ein und demselben Tagesversteck wiedergefunden. Bedingt durch die anscheinend eher geringe Wandertendenz der Adulten, scheinen Ausbreitungswanderungen wohl vor allem durch Jungtiere zu erfolgen. Die Winterruhe dürfte bereits im Oktober beginnen.
 
Über die Lebensdauer von Teichmolchen ist wenig bekannt. Beobachtungen deuten darauf hin, dass die jährliche Überlebensrate der Adulten etwa 50 % beträgt. Doch kann sie auch sehr viel tiefer liegen, so etwa, wenn Fressfeinde wie Ringelnatter und Kammmolch vorhanden sind. Teichmolche sind mit frühestens zwei Jahren geschlechtsreif.
 
In den Weihern kann man meist nur wenige Individuen beobachten. Wenn an einem Abend in einem Gewässer zwanzig Tiere gezählt werden können, so ist dies aussergewöhnlich. Die Populationen sind aber meist grösser als die Zahl der sichtbaren Tiere: Zählungen an Amphibienzäunen oder durch Abfischen mit Keschern ergaben in Deutschland meist Zahlen zwischen 100 und einigen Hundert. In der Schweiz dürften die Populationen kleiner sein. Eine Ausnahme bildete das Südufer des Neuenburgersees, wo früher eine riesige Population mit mehreren Tausend Teichmolchen lebte.
 
Der Teichmolch ist in ganz Mitteleuropa und bis nach Westasien verbreitet, fehlt aber in Spanien und Portugal.
Die Vorkommen in der Schweiz liegen in den tieferen Lagen, vor allem in den Flusstälern (z. B. Aare, Reuss, Rhein, Thur). Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich vom nördlichen Kanton Zürich, Schaffhausen über den Thurgau bis ins St. Galler Rheintal. Die meisten Funde stammen aus Höhen zwischen 400 und 600 m, doch kennen wir Nachweise von 260 m (Basel) bis 1024 m Höhe (La Chaux-de-Fonds). Im Tessin liegen die Fundorte nicht über 420 m; die Art ist hier sehr selten.
 
 
 

 

Der Teichmolch ist in der Roten Liste als stark gefährdete Art aufgeführt – zu Recht. Die Anzahl bekannter Fundstellen ist nicht gross und wird durch Lebensraumzerstörung und -abwertung zunehmend kleiner. Allerdings gibt es auch positive Meldungen. Fördermassnahmen wie die Schaffung neuer Flachweiher im Reusstal waren von Erfolg gekrönt: der Teichmolch breitete sich lokal aus.
Eine gezielte Überwachung der besiedelten Laichgewässer ist unerlässlich, so dass bei einer Verschlechterung des Zustandes rasch eine Sanierung geprüft werden kann. Oft ist es sinnvoller, in Nachbarschaft zum bestehenden Gewässer ein neues anzulegen statt massiv ins alte Gewässer einzugreifen.
 
Ein Laichgewässer-Verbund mit mehreren Einzelgewässern ist ideal. Fördern lässt sich der Teichmolch mit folgendem Gewässertyp: Wenig tief (max. 1 m), sonnig gelegen, fischfrei, in Waldnähe oder in einem lichten Auwaldbereich, alle paar Jahre im Winter austrocknend, im Nahbereich (rund 500 m) einer schon bestehenden Population.

 

Im Kern seines europäischen Verbreitungsgebietes besiedelt der Teichmolch als Art des Tieflandes eine grosse Vielfalt von Gewässern. Aufgrund der topographischen Lage der Schweiz stösst er an seine ökologische Grenze und lebt nur in speziellen Gewässern: So treffen wir ihn vor allem in sonnigen, sich leicht erwärmenden und reich bewachsenen Weihern, etwa in Auengebieten und Flachmooren. Meist finden sich in solchen Gewässern auch artenreiche Lebensgemeinschaften aquatischer oder amphibischer Arten. Schattige und kühle Gewässer sind kaum je besiedelt. Optimale Gewässer haben einen reichen Bewuchs mit Wasserpflanzen und die damit vorhandenen Versteck- und Eiablagemöglichkeiten.

Teichmolche sind aber im Vergleich zum Fadenmolch und Kammmolch häufiger im freien Wasser zu beobachten, wo sie auch nach Futter suchen. Mit dem Teichmolch vergesellschaftet sind nicht selten Kammmolch und Wasserfrosch, manchmal auch der Laubfrosch. Auf der Alpennordseite können in Auengebieten auch alle vier Molcharten miteinander vorkommen.

Portrait eines Teichmolch-Weibchens

Die Männchen des Teichmolchs haben in der Paarungszeit einen durchgehenden Rückenkamm.

Habitat type du triton lobé

Steckbrief

  • Dunkelbraun bis Hellbraun, Ockerfarbig
  • Gestalt schlank
  • Bauch blassorange, mit dunklen Flecken
  • Männchen: leicht gewellter Rückenkamm (nicht vom Schwanzflossensaum abgesetzt), Zehen mit Säumen, Kopfseite auffällig hell-dunkel gestreift, hellorange Kehle mit kleinen Flecken
  • Weibchen: ohne Rückenkamm, blassorange & kaum resp. nicht gefleckte Kehle