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Genetische Kladen der Kreuzotter

In der Schweiz kommt die Kreuzotter in zwei genetisch unterschiedlichen Gruppen (Kladen) vor, welche sich vor etwa 1 Million Jahre durch die Nutzung verschiedener Refugien während der letzten Eiszeit getrennt haben. Während die Vorfahren der Kreuzottern im Jura und den Voralpen die Eiszeit im Süden Frankreichs überdauerten, fand eine andere Gruppe ihr Refugium in Italien. Auf diese Weise voneinander isoliert, haben sich die beiden Gruppen genetisch auseinander entwickelt. In der auf die Eiszeit folgenden Klimaerwärmung hat die Kreuzotter die Schweiz aus diesen beiden Refugien heraus wiederbesiedelt: von Frankreich her entstanden die Populationen im Westen der Schweiz, von Italien her diejenigen in der Südschweiz.
 
Neuere Studien zeigen nun ein genaueres Bild zur Verbreitung dieser beiden genetischen Gruppen. Die Kreuzottern italienischer Herkunft wurden im Tessin sowie im gesamten Engadin mit seinen verschiedenen Seitentälern gefunden. Die Tiere, welche aus dem französischen Refugium abstammen, kommen hingegen im Jura, den Voralpen und entlang des Rheintals im Graubünden vor. In gewissen Regionen (Bergün und Savognin) stehen die beiden Gruppen sogar miteinander in Kontakt. Genetische Untersuchungen weisen auf eine wichtige Introgression von Kreuzottern italienischer Abstammung in die nordischen Populationen hinein hin, welche vermutlich auf den Genfluss von Männchen italienischer Herkunft zurückgeht. Zwischen den beiden Gruppen existiert also ein genetischer Austausch, und da es keine Reproduktionsbarriere gibt, ist davon auszugehen, dass es sich bei der Kreuzotter in der Schweiz um eine einzige Art handelt.
 
Die Studien suchten auch nach morphologischen Kriterien, um die beiden genetischen Gruppen zu unterscheiden. Einige kleinere Unterschiede wurden anhand einer grossen Stichprobe von Individuen aus der Schweiz und angrenzenden Regionen festgestellt: die ausgeprägtesten Merkmale sind eine verminderte Anzahl Subcaudalia und Ventralia (Schwanz- und Bauchschilder), ein weniger stark gezahntes Zickzackband auf dem Rücken und ein dunklerer Kopf bei den Kreuzottern italienischer Abstammung. Aber die Unterschiede sind schwach, und auch Spezialisten haben grosse Mühe, die beiden Gruppen ohne genetische Analysen auseinander zu halten.


Die blauen Punkte geben die Verbreitung von Individuen des französischen Genotyps wieder, die roten Punkte entsprechen der Verbreitung des italienischen Genotyps. Die zweifarbigen Punkte zeigen Regionen, in welchen beide Gruppen vorkommen. Einige Zonen haben einen höheren Anteil an der einen oder anderen Klade; dieser Anteil ist farblich jedoch nicht dargestellt.