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Amphibien schützen entlang von Verkehrswegen

Mögliche Schutzmassnahmen für Amphibien an Verkehrswegen

Verkehrswege wie Strassen und Eisenbahnlinien zerschneiden Lebensräume von Amphibien und können während der Laichzeit ein Amphibienmassaker verursachen. Davon betroffen sind vor allem Grasfrösche, Erdkröten, Bergmolche und teilweise auch Feuersalamander (eine Übersicht zu den Wanderzeiten dieser Arten finden sie hier). Damit Populationen durch diese starken Verkehrsverluste nicht gefährdet werden und erlöschen, sind Gegenmassnahmen notwendig. Welche Massnahme am sinnvollsten ist, hängt von mehreren Faktoren ab (wie lokale Situation, Verkehrsdichte,  Grösse der Amphibienpopulation, vorhandene Amphibienarten, u.a.…) und muss stets vor Ort unter Beizug einer Fachperson oder der karch Regionalvertretung sowie der zuständigen Behörde (Gemeinde, Kanton) abgeklärt werden.
 
Bei Feststellung überfahrener Amphibien gibt es folgende Handlungsmöglichkeiten:

Keine Massnahme ergreifen


In folgenden Situationen wird oftmals entschieden, keine Massnahmen zu ergreifen:

  • Das Laichgewässer liegt mehrere hundert Meter von der Strasse entfernt und die Amphibien wandern auf einem langen Strassenabschnitt an, sodass es zu keinen Häufungen von Tieren kommt;
  • Es ist nur ein sehr kleiner Teil der Population betroffen;
  • Der Aufwand einer Rettungsaktion wird als zu gross empfunden (bei < als 100 Tieren pro Jahr).

Provisorische und temporäre Massnahmen:

Strasse temporär sperren
Nebenstrassen können während der Hauptwanderzeit (ca. Anfang März bis Mitte April) von ca. 19h bis 6h für den motorisierten Verkehr mit einer fixen Abschrankung gesperrt werden. Diese wirksame Massnahme ist mit geringem Aufwand verbunden. Die Sperrung und die Umfahrungsmöglichkeit müssen der Bevölkerung signalisiert und kommuniziert werden. Geschützt wird nur der Frühjahrszug der Adulten.
 

Einsammeln von Hand
In regnerischen Frühlingsnächten können die wandernden Amphibien von Hand eingesammelt und mithilfe von Eimern über die Strasse respektive in die Nähe des Laichgewässers getragen werden. Der Aufwand ist gross und die HelferInnen müssen in günstigen „Amphibiennächten“ kurzfristig verfügbar sein. Diese provisorische Massnahme wird an Orten ergriffen, wo ein Ausstellen von Zäunen unmöglich ist (z.B. Steinhänge, Wohnquartiere). Geschützt wird nur der Frühjahrszug der Adulten.
 

Amphibienzäune und Eimerfallen
Während der Frühjahrswanderung wird eine Abschrankung (Amphibienzaun, Leitwerk) am Strassenrand montiert und Eimerfallen eingegraben. Die Amphibien fallen in die Kübel und werden am nächsten Morgen von HelferInnen auf die andere Strassenseite transportiert.

Als Leitwerk eignen sich mindestens 40-50 cm hohe Kunststoff-Folien, Bauplastik, Blechelemente, Recyclingplastik-Platten mit Übersteigungsschutz oder bedingt auch Wellplastik. Übersicht Zaunmaterialien für provisorische Massnahmen

Als Eimerfallen eignen sich unmittelbar hinter dem Zaun ebenerdig eingegrabene, mindestens 30 cm tiefe Plastik- oder Metallkübel oder als langfristige Lösung senkrecht in den Boden eingelassene Betonrohre (Ø 30 cm, 40 cm tief). Die Eimerfallen sollen max. 15-20 m auseinander liegen und zuunterst mit kleinen Abflusslöchern versehen sein.
Die Fanggefässe werden täglich am Morgen (und bei vielen wandernden Tieren zusätzlich am Abend) kontrolliert. Geschützt wird meist nur der Frühjahrszug der Adulten.
Detailliertere Informationen sind auch den nachfolgend genannten Schweizer Normen zu entnehmen.


Warntafeln /Blinklichter
Das alleinige Aufstellen von Warntafeln (Froschsymbol) oder Blinklichter hateinen geringen Einfluss auf die Anzahl überfahrener Amphibien, da sie zu wenig wahrgenommen werden. Sie sind aber wichtig um die Helfenden nicht zu gefährden und die Automobilisten zu Warnen bei temporäre Amphibienzäunen. Die Warntafeln werden von der zuständigen Behörde aufgestellt.

 

Langfristige und permanente Massnahmen

Einbau von Unterführungen (permanente Schutzanlagen)
Dank einem oder mehreren Durchlässen, welche mit beidseitigen, permanenten Abschrankungen (Leitwerk) verbunden sind, können Amphibien die Strasse ganzjährig unterqueren. Mit Barrieren und Unterführungen werden alle Wanderungen der Adulten und der Jungtiere geschützt. Als Grundlage für den Bau von Durchlässen müssen in der Regel Fangzahlen vorliegen, welche mittels provisorischer Massnahmen erhoben wurden. Detaillierte Informationen zur Planung von Durchlässen und Leitwerken sind in den nachfolgend aufgeführten Schweizer Normen enthalten.

  • SN 640698a: Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Grundlagen und Planung (1996, überarbeitet 2009) (ersetzt die frühere Norm SN 640697a, 1996)
  • SN 640699a: Fauna und Verkehr. Schutz der Amphibien, Massnahmen (1996, überarbeitet 2009)
  • SN 640696: Fauna und Verkehr. Fauna gerechte Gestaltung von Gewässerdurchlässen (2011)
  • SN 640699, Anhang: Strassen und Entwässerungssysteme. Schutzmassnahmen für Amphibien (2009). Diese Norm kann im Shop der karch bezogen werden.

Die genannten Normen können beim Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS, Sihlquai 255, 8005 Zürich, www.vss.ch , bestellt werden.

Protokollblatt Meldung fixe Anlage
 

Erfolgskontrolle
Bereits im Baubudget einer Amphibienunterführungen sind die Kosten einer Erfolgs- und Wirkungskontrolle vorzusehen. Teilweise kann eine geringfügige Anpassung die Akzeptanz einer Anlage durch die Amphibien beträchtlich erhöhen. Die karch empfiehlt, die Akzeptanzkontrolle gemäss dem Europäischen Standard durchzuführen.
 

Schaffen eines neuen Gewässers
Wenn keine befriedigenden Massnahmen zum Schutz der Amphibien getroffen werden können, kann die Anlage eines neuen Laichgewässers in der Nähe des Landlebensraumes abgeklärt werden. Oft stellt ein neues Gewässer aber keinen gleichwertigen Ersatz dar. Im Idealfall werden mehrere neue Gewässer angelegt. Da der Wandertrieb zum bisherigen Laichgewässer erhalten bleibt, müssen nach wie vor Amphibienzäune entlang der Strasse installiert werden.

Sonderfall Feuersalamander an Strassen

Der Feuersalamander gehört zu den langlebenden Arten und die Weibchen setzen pro Jahr verhältnismässig wenige Larven ab. Entsprechend gravierend wirken sich die Folgen einer verkehrsbedingt erhöhten Mortalität auf eine Feuersalamander Population aus.
Leider ist es in der Regel schwierig, wirkungsvolle Massnahmen zum Schutz des Feuer-salamanders an Strassen vorzuschlagen. Die Wanderkorridore des Feuersalamanders sind oft breit, da das Ziel ein Fliessgewässer ist. Zudem sind die Wanderungen zeitlich weniger eng begrenzt als bei anderen Arten und die Tiere verweilen verhältnismässig länger auf Strassen.

Die Sensibilisierung der Anwohner und die Aufforderung zu langsamerem Fahren bei regnerischem Wetter sowie je nach Situation die temporäre Sperrung der Strasse sind in vielen Fällen leider die einzigen Massnahmen, die empfohlen werden können, um die Strassenverluste von Feuersalamandern zu reduzieren.

 

Wenn die Strassenentwässerung zum Laichgewässer wird…

Nicht alle Amphibienarten zeigen ausgeprägte saisonale Wanderungen. Für die Gelbbauchunke kann auf wenig befahrenen Strassen und Wegen die Gefahr des Strassentodes als gering betrachtet werden. Deshalb können Randflächen entlang von Feld-, Waldwegen und wenig bis kaum befahrenen Strassen gezielt genutzt werden, um in regelmässigen Abständen Tümpelgruppen anzulegen. Besonders günstige Situationen ergeben sich an einem Böschungsfuss (z.B. von Autobahnen, Eisenbahnen), wo die Entwässerung durch einen offenen Graben bewerkstelligt werden kann. Ebenfalls günstig erweisen sich wenig genutzte Strassen und Bewirtschaftungswege, welche über die Schulter entwässert werden.

Das Praxismerkblatt Gelbbauchunke enthält weiterführende Informationen zur Förderung der Gelbbauchunke entlang von Verkehrswegen (hier gehts zu den Praxismerkblättern)

Hintergrundwissen zu Amphibienwanderungen

Weitere Informationen zu den Amphibienwanderungen, Tipps zur Organisation von Zugstellen und Infos über die wandernden Arten gibt es hier

Protokollblätter

Weitere Dokumente:

Weiterführende Literatur:

  • D. Hummel (2001): Amphibienschutz durch Geschwindigkeitsbegrenzung - eine aerodynamische Studie. Natur und Landschaft 76 (12): 530-533.

 

Amphibienzugstellen in der Schweiz

Alle der karch bekannten Zugstellen von Amphibien sowie die Möglichkeit zur Eingabe der Wanderdaten auf: Amphibienzugstellen in der Schweiz

Amphibien & Bahn