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Ein Ausflug:
Ein schöner Morgen im Mai. Wir wandern auf einem steinigen Weg; auf der einen Seite der Fluss, auf der andern ein lichter Laubwald. Neben dem Weg wachsen Gräser, Ginster, wilder Thymian, einige Farne. Wir kommen an Resten einer von Brombeeren überwucherten Trockenmauer vorbei. Eidechsen wärmen sich in den ersten Sonnenstrahlen und huschen bei unserem Anblick weg. Die Luft ist frisch, klar und voller Düfte und Geräusche. Unsere Gedanken sind frei von alltäglichen Sorgen. Noch ein Schritt und... ein plötzliches Rascheln von trockenen Blättern bringt uns in die Realität zurück. Mit unruhigem Blick suchen wir den Boden ab, sehen aber nur noch, wie eine lange schwarze Schlange in der Vegetation verschwindet... blitzschnell schlängelt sich das Schwänzchen in ein Loch zwischen den Steinen einer alten Mauer. Erschrocken bleiben wir stehen. Hat uns diese unfreiwillige Begegnung nun den Tag verdorben?
Nein, im Gegenteil; wir lassen uns einmal mehr von der Vielfalt der Natur bezaubern. Wir hatten das Glück, einer der am schwersten zu beobachtenden Kreaturen - der Schlange - zu begegnen, in diesem Fall einer Zornnatter. Es bleibt eine wertvolle - vielleicht einmalige - Erinnerung.
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Zornnatter, Andreas Meyer
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Wer ist die Zornnatter?
Sie ist sicherlich keine Strafe Gottes, sondern hat ihren Platz in der Natur wie jedes andere Lebewesen auch. Die Zornnatter ist eine harmlose Schlange, kann eine Länge von fast zwei Metern erreichen und lebt mit Vorliebe am Boden. Normalerweise ist sie schwarz, schwarzgrün, schwarzbraun und mehr oder weniger gelb gesprenkelt. Die gelben Flecken können zu Querbändern und im hintersten Körperdrittel zu Längsstreifen verschmelzen. Man findet auch ganz schwarze Exemplare. Normalerweise ist der Bauch gelbweiss oder gräulich. Die Zornnatter besitzt auf der Kopfoberseite grosse Schilder, nur eine Reihe Oberlippenschilder und runde Pupillen - charakteristisch für die ungiftigen Schlangen der Schweiz. Dank ihrer dunklen Färbung gelingt es ihr rasch, die für ihre Aktivität optimale Körpertemperatur zu erreichen. Man findet sie in den unterschiedlichsten Lebensräumen: Von den Niederungen bis auf 1400 m ü.M. lebt die Zornnatter in feuchtem, steinigem Gelände mit Gebüschen, in Laubwäldern und Wiesen, an Flussufern und Bahnböschungen, auf Ruderalflächen, Deponien, im Kulturland und in Gärten aller Art, oft an Orten, wo keine andere Schlangenart mehr anzutreffen ist. Sie zieht sich gerne in Trockenmauern, Holzstapel, Gartenhäuschen und unter Dächer von verlassenen Hütten oder Ferienhäusern, wo es feucht und warm ist, zurück. Auf der Jagd hebt sie oft den Oberkörper vom Boden ab und bewegt den Kopf wie ein Periskop: Wenn sie ein Beutetier geortet hat, verfolgt sie es mit Hilfe ihres Geruchssinns und beeindruckender Schnelligkeit, die sie ihrer Körperkraft und der glatten Beschuppung dankt.
Die Zornnatter hat ein vielfältiges Nahrungsspektrum: Amphibien, Reptilien - sogar Vipern und Jungtiere ihrer eigenen Art -, Vögel und Säugetiere wie Ratten werden gefressen. Sie packt die Beute mit ihren von vielen kleinen und spitzen nach innen gerichteten Zähnen bewehrten Kiefern. Die Opfer werden mit mehreren Körperschlingen erdrosselt oder einfach gegen den Boden oder einen festen Gegenstand gedrückt. Frösche verschlingt sie oft lebend, da sie zu glitschig sind, um erdrückt zu werden.
Die Zornnatter ist generell eine Kulturfolgerin und kann wirklich zum Bestandteil unserer Umgebung werden. Ihre Anpassungsfähigkeit erlaubt dieser Schlange, mit dem Menschen, soweit er sie gewähren lässt, selbst in Gemüse- und anderen Gärten zusammenzuleben. Es gibt Leute, die seit Jahren Zornnattern im Garten haben und sie als Vertilgerin von Mäusen, Ratten und Maulwürfen schätzen, während andere bedauern, ihre guten Dienste verloren zu haben.
Obwohl eine reizbare Schlange, greift sie nur an, wenn sie der Störenfried nicht flüchten lässt. In diesem Fall beisst sie zu und lässt einige Sekunden nicht los. Da es sich aber um eine ungiftige Schlange handelt und die Wunde nur oberflächlich ist, genügt ein einfaches Desinfektionsmittel zur Behandlung.
Die Zornnattern paaren sich im Mai und es kann vorkommen, dass man Männchen in einem unblutigen Ritualkampf sieht. Dabei richten sie sich gegeneinander auf, fallen wieder zu Boden und verfolgen sich solange, bis einer der Kontrahenten vom umworbenen Weibchen ablässt. Mehrere Zornnattern können zur Häutung, Paarung und Überwinterung zusammenfinden.
Nach der Begattung legt das Weibchen 5 bis 15 Eier (14 - 22 x 28 - 40 mm) mit pergamentartiger, elastischer Schale in den Boden zwischen Felsen und Steinen, wo Temperatur und Feuchtigkeit ideal sind. Nach 6 bis 8 Wochen schlüpfen kleine Schlangen (20 bis 25 cm lang), deren Körper mit gelben, grauen und braunen Sprenkeln fein übersät sind. Der schwarzgelbe Kopf erinnert an das Warnsignal der Wespen (was sich als wirksames Abwehrsystem herausgestellt hat). Ansonsten sind die Jungschlangen wehrlos und vielen Feinden ausgeliefert; nur ein kleiner Teil der Neugeborenen erreicht die Geschlechtsreife.
Unwetter, Krankheiten, Parasiten, Ameisen, grosse Vögel sowie wilde und domestizierte Raubtiere dezimieren die Zornnattern. Der schlimmste Feind aber bleibt der Mensch, dessen Eingriffe die Landschaft verarmen und immer mehr Kleinstlebensräume verschwinden lassen, wodurch selbst die Ausbreitungsmöglichkeiten einer so grossen und beweglichen Schlange wie der Zornnatter sehr eingeschränkt werden. Ebenso dürfte die Art über ihre Beutetiere vielen Umweltgiften ausgesetzt sein.
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 Zornnatter (Jungtier), Andreas Meyer

Zornnatter (Semiadult), Andreas Meyer
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Schutzmassnahmen:
Auf Planungsstufe:
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die Zerstückelung der Naturlandschaft einschränken; sie zerteilt Habitate in isolierte Kleinstflächen, die das Überleben vorhandener oder spontan besiedelnder Reptilienbestände verunmöglichen
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beim Erstellen von Stützmauern, Böschungen, Terrassenhängen usw. natürliche Baumaterialien wie Bruchsteine verwenden, auf Zement verzichten
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Verbindungen zwischen natürlichen Biotopen erhalten oder neu erstellen
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Pufferzonen zum Wald von mindestens 50 m errichten
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beim Anlegen neuer Parkanlagen und Gärten einheimische
Pflanzen verwenden
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Wiederherstellung und Unterhalt von Lebensräumen:
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Verbuschung von Brachflächen verhindern und Trockenmauern teilweise vegetationsfrei halten
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Pufferzonen von mindestens 50 m zwischen Bauten, Strassen
oder Waldrändern einhalten, Holzstapel und Steinhaufen anlegen
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Schattenwurf auf offene Stützmauern entlang von Strassen möglichst gering halten
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in der Landwirtschaft, in Privatgärten und bei der Unkrautvernichtung an Strassen und Böschungen den Herbizid-Gebrauch auf ein Minimum reduzieren
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Erziehung, Bildung:
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Initiativen unterstützen, welche die Bevölkerung und vor allem die Schüler über ökologische Probleme informieren |
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ökologische Eingriffe unterstützen, an denen die Bevölkerung mitwirken kann |
Text: Serge Misslin
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Zornnatter Adult, Uwe Prokoph
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