Sobald im Frühling in feuchten Nächten die Temperaturen wenige Grad über der Nullgrad-Grenze liegen, beginnen verschiedene Amphibien (Frösche, Kröten und Molche) ihre Laichplätze aufzusuchen.
Die meisten Amphibienarten legen auf ihrem Weg vom Sommerquartier zum Laichgewässer Strecken bis zu einigen Kilometern zurück.
Dabei sind sie oft gezwungen, Wege und Strassen zu überqueren.
Da die in der Schweiz vom Aussterben bedrohten Tiere in der Nacht meist in grossen Zügen unterwegs sind, werden sie von den Fahrzeugen in Massen überrollt, was den Fortbestand der gesamtschweizerisch geschützten Tiere weiter gefährdet.
Jeder Jahr werden in der Schweiz von Amphibien-Freunden, Schüler- innen und Schülern und weiteren fleissigen Helferinnen und Helfern über 100'000 Amphibien über die Strasse getragen. Immer noch haben jedoch verschiedene Strassenabschnitten keine "Amphibien-Verkehrs- lotsen"; die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz bittet daher die Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer Abschnitte mit Amphibienwanderungen zu den Wanderzeiten bei Möglichkeit zu meiden und Umfahrungswege zu benutzen oder diese im Schritttempo (30 km/h) zu passieren.

Detaillierte Angaben finden sie auch unter:
www.uvm.baden-wuerttemberg.de/nafaweb/berichte/pas_03/pas3_c.htm




Erdkröte unter Autoreifen




Die Amphibien brauchen unseren Schutz und unsere Hilfe

Vor rund 35 Jahren machten die ersten Beobachter auf Amphibien- sterben auf unseren Strassen aufmerksam; seit rund 25 Jahren haben sich zahlreiche Helfer- und Helferinnen-Gruppen dieses Problems angenommen und nicht zuletzt damit die Amphibien in weiten Bevölke- rungskreisen recht populär gemacht.

Die meisten Amphibienarten legen im Jahresverlauf zwischen Über-winterungsort, Laichgewässer und Sommerquartier Strecken von
einigen Metern bisa einigen Kilometern zurück. Die Frühjahrswanderung der erwachsenen Tiere vom Winterquartier ans Laichgewässer zur Fortpflanzung ist sehr auffällig und wird daher am meisten beachtet,
dem gegenüber ist ihr Rückzug zurück ins Sommerquartier wesentlich weniger auffällig, da er sich oft mit der Laichzug überschneidet und
sehr viel weniger massiert auftritt. Die Wanderung der Jungtiere weg vom Laichgewässer in ihren angestammten Landlebensraum im Juni
bis Juli wird von der Bevölkerung meist wenig beachtet, es sei denn,
die Jungtiere wandern in Massen, was landläufig oft als "Froschregen" bezeichnet wird. Insbesondere Grasfrösche suchen sich im Herbst Winterquartiere in der Nähe ihres Laichgewässers, was wiederum zu
unregelmässigen, auffälligen Wanderzügen zwischen Ende August und
Mitte November führen kann. Zieht eine grössere Anzahl Tiere in
gleicher Richtung, und müssen sie hierbei eine nicht wenig befahrene
Strasse überqueren, so kommt es zu auffälligen Massaker.






Arcegno




Die Amphibien-Rettungsaktionen

Seit mehr als 25 Jahren werden in der Schweiz an diversen Stellen Rettungsaktionen durchgeführt. Mitte Februar werden an den betroffenen Strassenabschnitten provisorische Zäune aufgestellt und Fangkübel vergraben. Freiwillige Helferinnen und Helfer tragen nach Einsetzen der Wanderungen nach der Abenddämmerung die gefangenen Tiere über
die Strasse. Abhängig vom Witterungsverlauf im Frühjahr werden diese Stellen mehrere Wochen lang betreut. An einigen Stellen sind fixe Amphibienunterführungen gebaut worden, damit die Tiere ohne auf-wendige Betreuung selbständig und gefahrlos die Strasse unterqueren
können. Es hat sich leider gezeigt, dass viele dieser bautechnisch sanierten Stellen ungenügend funktionieren.
Der Bau solcher Anlagen bedarf einer gründlichen Planung von einer
Fachperson und setzt gute Kenntnisse über die lokalen Populationen voraus. Da solche Anlagen viel kosten und die Geländestrukturen oft ungünstig sind, lassen sie sich nicht an jeder Zugstelle realisieren. Zahlreiche Stellen sind also nach wie vor auf Rettungsaktionen mit temporären Zäunen angewiesen.

Der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) sind im Moment in der ganzen Schweiz rund 1000 Strassenabschnitte bekannt, über welche Amphibienwanderrouten führen. Einige davon weisen fixe Unterführungen auf, die meisten
werden von freiwilligen Helferinnen und Helfern betreut. Leider werden bei einigen immer noch gar keine Massnahmen ergriffen.
Rund 50 Helfergruppen übermittelnder karch regelmässig ihre Fang-statistiken. Allein von diesen werden jedes Jahr über 120'000 Amphibien über die Strasse getragen und somit gerettet!

Allen Helfern und Helferinnen sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt!






Leuschelz




Die wichtigsten Amphibien-Arten und ihre Wanderungen

Erdkröte (
Bufo bufo)

Insgesamt dürften sie vom Verkehrstod am stärksten betroffen sein.
In der Schweiz gibt es mehrere Stellen mit 5000 - 8000 Tieren, die
im Frühjahr massiert vom Winterquartier ans Laichgewässer wandern. Die Wanderung läuft im Mittelland im Zeitraum von Mitte Februar bis Ende April und an nicht zu kalten Abenden ab.
Grosse Erdkröten-Wanderungen nach 19 00 Uhr treten ein:
- bei Regen bei einer Lufttemperatur ab 6°
- ohne Regen bei einer Lufttemperatur ab 12°.
95% aller Zugnächte fallen im Mittelland zwischen die Zeit vom 14. März und 18. April (Mittel: 27. März).
Sie wandern sehr langsam und nehmen auf der Strasse im Scheinwerfer-licht häufig eine Schreckstellung ein. So benötigen sie zum Überqueren einer 7 Meter breiten Strasse nicht selten 15 - 20 Minuten. Sicher wandern Erdkröten bis 3 km weit, ev. 5-10 km.


Grasfrosch (
Rana temporaria)

Sie wandern etwas schneller als die Erdkröte, weshalb ein kleinerer Teil auf dem Zug überfahren wird. Auch hier existieren Stellen mit mehreren Tausend wandernden Tieren.
Grosse Grasfrosch-Wanderungen nach 19.00 Uhr setzen ein:
- bei Regen bei einer Lufttemperatur ab 4°
- ohne Regen bei einer Lufttemperatur ab 10°.
95% aller Zugnächte im Frühling fallen im Mittelland zwischen die
Zeit vom 20. Februar und 3. April (Mittel: 13. März).


Molche (
Mesotriton alpestris, Lissotriton helveticus, Tritus carnifex, Tritus cristatus)

Molchwanderungen sind schlecht erforscht. Grössere Kammmolch-
Wanderungen sind nicht bekannt, was aber auch mit dem allgemeinen,
starken Rückgang der Art zusammenhängt. Teich-, Faden- und
Bergmolche wandern über grössere Strecken und werden oft zu
Hunderten beobachtet. Sie sind nicht auffällig und werden von den
Motorfahrzeuglenkern und Motorfahrzeuglenkerinnen kaum bemerkt.
Sie vermögen Hindernisse wie Fangzäune aus Plastik, Kessel und
Mäuerchen zum Teil zu überklettern, so dass sie von den Fangtrupps
fast nie vollständig erfasst werden können. Die Frühjahrswanderung
verläuft im März bis April, die Rückwanderung vom Laichgewässer
ins Sommerquartier von Ende Mai bis September.





wanderndes Grasfroschpaar




Tips für Helfer/innen-Gruppen

Aus personellen Gründen ist es der karch leider nicht möglich Helfer-
gruppen für die nicht betreuten Stellen zu organisieren. Wir können Ihnen aber beratend behilflich sein.
In der bei der karch erhältlichen Broschüre "Amphibien und Verkehr I"
finden Sie ausführliche Informationen zum Thema.
(auf der karch-site unter: literatur / kleinere Publikationen zu bestellen)

Im Folgenden noch einige praktischen Hinweise für das Errichten temporärer Fangzäune:

Organisation:
Beginnen Sie damit rechtzeitig. Je nach Witterung und Höhenlage
der zugstelle sollten die Zäune Mitte bis Ende Februar errichtet
werden. Informieren Sie vor Beginn einer Aktion die Gemeinde und
die Landbesitzer.

Helfergruppe:
Es ist vorteilhaft, wenn die Helfer/Helferinnen aus der unmittelbaren
Umgebung stammen, damit sie bei lokal günstigen Wetterbedingungen
kurzfristig reagieren können.
Freiwillige finden sich meistens in lokalen Amphibien-, Natur- oder
Vogelschutzvereinen. Zum Teil können auch Lehrkräfte mit Schul-
klassen für solche Aktionen gewonnen werden (nur geeignet bei über-
sichtlichen Strassen und älteren Schülern/Schülerinnen).

Montage der Fangzäune:
Holen Sie zuerst bei der Gemeinde und den Landbesitzern eine
Einwilligung ein.
Sorgfältig aufgestellte Zäune erleichtern die Arbeit in den
kommenden Nächten.
Allenfalls können kleine Handpflugmaschinen oder Fräsen für Beton-
beläge (Gemeinde / Landwirtschaftliche Genossenschaften /
Baugeschäfte) beim Errichten der Zäune hilfreich eingesetzt werden.
In einigen Gemeinden werden die Zäune nach Absprache von den
zuständigen Stellen für den Strassenunterhalt (Wegmeister, Gemein-
demitarbeiter) aufgestellt.

Finanzierung der Zäune:
Das Material (z.B. Bauplastik, Armierungseisen als Halterung, Farb-
kübel) wird oft von ansässigen Unternehmen, Landwirtschaftlichen
Genossenschaften, Gemeinden, regionalen Naturschutzvereinen,
Schulen oder Privatpersonen gespendet. Im Handel erhältliche
Zaunsysteme werden in der Regel von der Gemeinde, Tierschutz-,
und Naturschutzvereinen z. T. gemeinsam getragen.

Fangstatistik:
Für künftige Planungen ist es sinnvoll die Tiere, die über die Strasse
getragen worden sind, zu zählen. Hierfür können bei der KARCH
vorgefertigte Protokollblätter für die gerettete Amphibien bezogen
werden. Teilen Sie uns bitte Ihre Fangzahlen und den Ort der
Zugstelle mit.

vergl: mat_prov.pdf
(Verschiedene Zaunmaterialien bei provisorischen Massnahmen)
sowie Kap.5.5 der obengenannten Publikation: "Provisorische
Massnahmen mit Installationen"






Maibachzaun mit Kessel



Protokollblätter für die gerettete Amphibien

Es empfiehlt sich die Anzahl gesammelten Amphibien aufzuschreiben. Damit können Vergleiche von einem Jahr zum andern hergestellt werden:

prot_zug.pdf
(
Protokollblatt für Sammeldaten an Zugstellen)
prot_zug_1.pdf
(Sammelblatt 1 zu Protokollblatt für Sammeldaten an Zugstellen)
prot_zug_2.pdf
(Sammelblatt 2 zu Protokollblatt für Sammeldaten an Zugstellen)

Mit nummerierten Fanggefässen und einer Skizze kann z.B. die Lage
des Zaunes optimiert werden und auf die Hauptwanderachse
beschränkt werden oder die Zahlen liefern die Grundlagen bei einer
seriösen Planung von festen Unterführungen.

Zumindest qualitativ sollte auch der Fortpflanzungserfolg im Gewässer
beobachtet werden: Gibt es Eier? Schlüpfen aus den Eiern Larven
und entwickeln sich diese zu Jungtieren? Falls sich längerfristig eine
Veränderung der Fangzahlen abzeichnet, sind diese Angaben zur
Abklärung der Ursachen unerlässlich.

Meldungen von Zugstellen

Wir interessieren uns für Angaben über alle Zugstellen in der Schweiz.
Bitte informieren Sie uns über Ihnen bekannte Zugstellen:

meld_zug_allg.pdf
(Meldeblätter für Amphibien-Zugstellen)
meld_zug_prov.pdf
(Meldeblätter für Amphibien-Zugstellen mit einer Rettungsaktion)
meld_zug_fix.pdf
(Meldeblätter für Amphibien-Zugstellen mit fixen Anlagen)


Auch feste Anlagen brauchen eine Betreuung:

erfolgskontrollen.pdf
(Empfehlungen für Erfolgskontrollen bei festen Installationen)





Magdenau